rheintaler.ch

Heerbrugg

Jesus verteilte Brot unter den Menschen, heute geht es um Impfstoff.
Jesus verteilte Brot unter den Menschen, heute geht es um Impfstoff. (Bild: depositphotos / gorsh13)

Aus christlicher Sicht: «Gebt Ihr ihnen zu essen»

Reinhard Paulzen Kommentare

Am letzten Wochenende waren ganz viele fröhliche Menschen zu sehen in den Gartenbeizen. Sie assen, tranken, lachten und erzählten miteinander. Schon zum «Zmörgele» musste man teilweise erst Schlange stehen, wenn man einen Platz an der Sonne vor dem Lieblingscafé finden wollte. Während der Woche durften die Menschen dann auch wieder in der Mittagspause oder nach Feierabend beim Essen im Restaurant zusammensitzen.

Essen und Trinken hält Leib und Seele zusammen. Endlich konnten die Wirtsleute wieder das tun, was Jesus vor dem berühmten Brotwunder seinen Freunden und Freundinnen aufgetragen hatte: «Gebt Ihr ihnen zu essen!» (Lk 9, 13.) Das setzen die Wirtsleute mit Bravour um, und sie machen es sehr gern.

Bevor das Brotwunder geschah, wollten die Freunde die Verantwortung abschieben: «Schick sie weg in die umliegenden Dörfer und Gehöfte!» Dann sind eben die anderen zuständig und nicht sie. Aber so einfach machte es ihnen Jesus nicht. Sein Auftrag war klar: «Gebt ihr ihnen zu essen.» Genau das wurde dann zum Auslöser und Anfang des Brotwunders. «Wenn jeder gibt, was er hat, dann werden alle satt», singen wir im Kirchenlied von Piet Janssens. Geben ist Jesus wichtig. Der Schreiber des Jakobus-Briefes greift es auf seine tiefgründig-humorvolle Weise auf: «Wenn ein Bruder oder eine Schwester ohne Kleidung ist und ohne das tägliche Brot und einer von euch zu ihnen sagt: ‹Geht in Frieden, wärmt und sättigt euch!›, ihr gebt ihnen aber nicht, was sie zum Leben brauchen – was nützt das?» (2, 15f.) Brot also auch: Was sie zum Leben brauchen.

Jetzt kann dies für uns in den reichen Ländern auch heissen: Wenn einer zu den Menschen in den armen Ländern sagt: «Geht, lasst euch alle impfen!», und es kommen keine Impfstoffe in diese Länder: Ja, was nützt das?

Vor unserer Haustür in Appenzell haben wir die wunderbare Fronleichnamsfeier gesehen, bei uns begehen wir es am Sonntag. In der Mitte dieses Festes steht das kleine Stück Brot – das Jesus-Brot, das Himmelsbrot und das heilige Brot – das die Hoffnung nährt.

Das heilige Zeichen stellt uns die Grundfrage dieser Welt noch so anschaulich vor Augen: Was regiert die Welt? Der Tanz um das goldene Kalb? Oder das Brot von Jesus? Gott weiss es auch: Liebe geht durch den Magen. Der Leib Christi ist das Zeichen seiner Liebe, wir können es schmecken und verkosten.

Geniessen wir beides. Gottes Liebe. Und was die Wirte für uns zaubern. Auch damit wir die Worte von Jesus nicht vergessen: «Gebt Ihr ihnen …»

Folge uns: