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An den «tollen Tagen» geht es hoch her.
An den «tollen Tagen» geht es hoch her. (Bild: Archiv / Monika von der Linden)

Aus christlicher Sicht: Fasnacht und Fastenzeit gehören zusammen

Armin Scheuter Kommentare

In unserer Region ist es weit verbreitet, das wilde fasnächtliche Treiben. Denn wer liebt es nicht, dem Alltag zu entfliehen und über die Stränge zu schlagen?

Oft wird dieser unbändige Trubel auf heidnische Wurzeln zurückgeführt. Doch für Volkskundler und Historiker ist die Sache eindeutig: Die Fasnacht ist ein christliches Fest und eng verbunden mit der darauf folgenden 40-tägigen Fastenzeit, die der Vorbereitung auf das Osterfest dient.

Das wird schon am Namen deutlich: Das Wort «Fasnacht» bezeichnet den Zeitraum vor Anbruch der Fastenzeit. Sie dauert bei uns, wenn man es genau nimmt, nur sechs Tage, vom Schmotzigen Donnerstag (Schmotz=Fett) bis zum Aschermittwoch. Auch das Wort «Karneval» verdeutlicht es. Denn «carnevale» ist eine Kurzform des kirchenlateinischen Begriffs «carnis-levamen», was so viel bedeutet wie Fleischwegnahme. Der Verzicht auf Fleisch und andere tierische Produkte war ein bestimmendes Element der Fastenzeit, das in früheren Jahrhunderten recht streng eingehalten wurde. So war im Mittelalter auch der Genuss von Wein in diesen Tagen verboten. Kein Wunder, dass es an den «tollen Tagen» vorher in jeder Hinsicht hoch herging – zum wachsenden Missfallen der staatlichen und kirchlichen Autoritäten.

Die Kirche sah in der Fasnacht zunehmend eine Gegenwelt zur Welt des Heils – das der Mensch nur in der konsequenten Hinwendung zu Gott erfahren könne, nicht aber in der Hingabe an fleischliche Genüsse. Die Fasnacht wurde deshalb als lästerlich, ja teuflisch angesehen – in ihr regierte die Figur des gottlosen Narren. Der gemäss Psalm 53 in der Bibel als derjenige charakterisiert wird, der in seinem Herzen sagt: «Es gibt keinen Gott.» Als Kennzeichen des Bösen standen seine Glöckchen (Schellen und Rollen) für Verführung und hohles Geklingel.

Dies wurde bereits im 9. Jahrhundert durch den Universalgelehrten Rabanus Maurus verbreitet. Er begründete dies mit dem biblischen Paulus-Wort 1. Kor 13,1: «Wenn ich in den Sprachen der Menschen und Engel redete, hätte aber die Liebe (= Nächstenliebe) nicht, wäre ich tönendes Erz oder eine klingende Schelle.» Somit verkörperte der Narr eine Welt, in der die Eigenliebe und das selbstgefällige Geschwätz zu forderst steht. Die katholische Kirche hat diesen Ausflug in die Gegenwelt während der Fasnacht im Allgemeinen toleriert– wohl aus der Überlegung, dass dem reuigen Sünder vergeben werde und dass man das Übel kennen müsse, um sich umso überzeugter dem Heil zuzuwenden. Schliesslich war der Spuk stets am Aschermittwoch vorbei. Allerdings wurde im Zuge der Reformation ab dem 16. Jahrhundert in vielen evangelischen Städten das Fasnachtsfeiern verboten. Was allerdings, wenn man es aus heutiger Sicht betrachtet, nicht viel nützte.

Denn die Fasnacht ist heute wilder denn je – ausser es herrscht ein Virus.

Armin Scheuter, Pastoralassistent

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