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Berneck

Porzellan muss schnell und in einem Zug geformt werden – und dünn, wenn es durchschimmern soll.
Porzellan muss schnell und in einem Zug geformt werden – und dünn, wenn es durchschimmern soll. (René Schneider)

30 Jahre auf «das Gold» gewartet

René Schneider Kommentare

Der Bernecker Töpfer Fred Braun träumte schon immer vom weissen, durchschimmernden Porzellan. Aber erst jetzt fand er Porzellan-Ton, der sich auf der Töpferscheibe verarbeiten lässt. Die Probearbeiten sind bereits ausverkauft.

BERNECK. Der Tonlieferant schenkte dem erfahrenen Töpfer vor ein paar Monaten ein Kilo eines neuen Materials: Porzellan-Ton zum Drehen. «Material-Muster an Profis wiegen normalerweise zehn Kilo», schmunzelt Fred Braun. Doch sei der Ton so teuer, dass er eben nur in kleinen Mustern verschenkt werde.

Das kleine Päckchen weckte seine Aufmerksamkeit, weil er seit der Lehre von weissem, durchschimmerndem Porzellan geträumt hatte, das er auf der Scheibe herstellen könnte. Das Muster entsprach genau seinen Vorstellungen. Der 50-Jährige Töpfer war so begeistert, dass er gleich eine Tonne davon bestellte – und einen neuen Ofen dazu. Porzellan wird viel heisser gebrannt als normale Keramik. Reste von normalem Ton schmelzen bei der höheren Brenntemperatur und können beim Brand vom Porzellan den Ofen und das Brenngut beschädigen.

Zart durchschimmernd

Fred Brauns erste Arbeiten fielen vielversprechend aus; und mit jedem Brand gelangen ihm noch dünnwandigere Schälchen, Teller, Tassen und Becher. Das Material sei das eine, sagt er, und etwas daraus drehen könne jeder. Die Herausforderung bestehe darin, schnell zu sein und dünnwandig zu bleiben. Das erfordert grosses Können und viel Erfahrung, zumal ein Naturprodukt mit nicht immer genau gleichen Eigenschaften verarbeitet wird. Inzwischen erreicht der Bernecker Töpfer Wandstärken von zwei Millimetern. Brauns schlichte, elegante Gefässe aus weissem Porzellan lassen das warme Licht einer Kerze durchschimmern. Erstaunlich: Ein Drittel seiner Kundschaft sei männlich. «Porzellan ist der Rolls Royce der Keramik», sagt der Fachmann. Aber richtig edel werde das Material erst, wenn es hauchdünn verarbeitet werde.

Chinesische Töpfer konnten das schon vor tausend Jahren. Doch wisse er nicht, ob ihre Arbeiten gedreht oder gegossen wurden. Für die Scheibe geeigneter Porzellan-Ton sei eine neue Errungenschaft der Materialforschung. Der spezielle Porzellan-Ton kommt aus Grossbritannien.

Ausverkauft

Auf seiner Einladung zur Weihnachts-Ausstellung wies Fred Braun erstmals auf seine ersten Porzellan-Arbeiten hin – und wurde von seiner Kundschaft regelrecht überrannt. Innert kurzer Zeit waren seine ersten hundert schlichten, weissen, durchschimmernden Windlichter ausverkauft. Das ist erstaunlich, schätzt doch die Kundschaft an der Bernecker Bahnstrasse Brauns Arbeiten besonders wegen ihrer verspielten Formen und den fröhlichen Farben.

Neue Produkte

«Ich bin so begeistert vom Material und seinen Möglichkeiten, dass ich am liebsten nur noch damit arbeiten würde», schwärmt Fred Braun. Doch widmet er sich seriös seinen Bestellungen und der Ergänzung seines Lagers an bewährten Produkten. Nebenher entwickelt er Neues aus hauchdünnem Porzellan. Aktuell experimentiert er mit Lampenschirmen. Auch in diesem Bereich sind die Prototypen verheissungsvoll. Die hauchzarten, transparenten Porzellan-Schirme verleihen dem kalten, aber hellen Licht von Energiespar-Lampen eine wohlig-behagliche Wärme.