In den ersten Tagen des Augusts 1918 hatten sich die Brauerei-Unternehmerinnen Olga und Milly Gertrud Bartenstein aus Uster, Kaufmann Anton Stucky aus Oberurnen, Hotelier Hans Heitz aus Baden, der Zürcher Gerichtsschreiber Lehmeier und viele andere im Gästebuch der «Linde» eingetragen. Und auch die einfache Ladentochter Hermina Ochs aus St. Gallen. Neben ihr hat sich der kaufmännische Angestellte Karl Steis, ebenfalls aus St. Gallen, eingeschrieben.Waren die beiden ein Paar, das – wie damals üblich – in getrennten Zimmern logierte? Gönnten sie sich ein paar erholsame Tage in Heiden? Und wie konnten sie sich das leisten? Oder hatte der Aufenthalt einen beruflichen Hintergrund? Es sind viele Fragen, die sich heute nicht mehr beantworten lassen. Die Mehrheit der Gäste im Kurort Heiden war bis 1914 deutscher Nationalität. Der Ausbruch des Ersten Weltkriegs 1914 führte zu deren fast fluchtartigen Abreise. 1918 war das letzte Kriegsjahr, und wie in den Vorjahren fehlen im damaligen Gästebuch der «Linde» Einträge von Aufenthaltern aus Deutschland. Diese Lücke vermochten Schweizer Gäste nur teilweise zu schliessen. Nach dem Kriegsende im November 1918 war ein Anknüpfen an die von 1850 bis 1914 dauernde touristische Hochblüte nicht mehr möglich. In der Folge verschwand eine ganze Reihe von Gastbetrieben, und als Hotel aus der damaligen Zeit hat einzig die «Linde» überlebt.Peter Eggenberger