13.10.2018

Sehnsucht nach Frieden

Von Paul Hoch
aktualisiert am 03.11.2022
Als ich unlängst eine Bruder-Klaus-Vesper vorbereitete, blieb ich an einem Satz unseres Nationalheiligen hängen: «Fried ist allweg in Gott, denn Gott ist der Fried». Beim Zusammenstellen der Texte stellte sich mir folgende Frage: Ist Gott nicht noch viel mehr? In einer Vorlage für einen Bruder-Klaus-Gottesdienst, die ich mir zum Vorbereiten der Vesper als Inspiration zur Hilfe nahm, wurde als Lesung ein Abschnitt aus dem vierten Kapitel des ersten Johannesbriefes vorgeschlagen. Beim Lesen jenes Schriftwortes blieb ich ebenfalls an einem Satz hängen, der mich in seiner Prägnanz sehr an die Aussage von Bruder Klaus erinnerte: «Gott ist die Liebe.»Gott ist also der Friede und auch die Liebe. Das sind zusammen zwei starke Zuschreibungen für Gott. Doch wird das unserem Schöpfer gerecht? Friede und Liebe sind zwei riesige Begriffe und etwas, dass sich jeder Mensch wünscht. Es sind zwei ganz zen­trale soziale Bedürfnisse. Doch reichen sie aus, wenn wir von Gott reden?Als ich weiter über die beiden prägnanten Sätze nachdachte, ging mir plötzlich auf, dass es sowohl von Friede als auch der Liebe eine Dimension gibt, die wir Menschen wohl gar nicht fassen können. Friede beginnt in mir drinnen. Doch als begrenzter Mensch werde ich wohl nie zu solch innerer Balance finden, dass niemand und nichts in mir das Gefühl von Unfrieden auslösen könnte. Es wird stets ein Ringen um Frieden für mich auf meinem Lebensweg bleiben. Mit der Liebe verhält es sich ähnlich. Meine Liebe zu Gott und zu anderen Menschen wird wohl immer wieder auch von anderen Gefühlen überschattet werden. So wird die Liebe in mir von Enttäuschung, Neid, Verletztheit, Ernüchterung und so weiter auf die Probe gestellt werden. Über absolute Liebe werde ich als Mensch nie verfügen. Absolute, reine Liebe und absoluten, ewigen Frieden, das findet sich nur bei Gott. Aber was heisst das nun für uns als begrenzte Menschen? Die Antwort darauf habe ich für mich im Johannesbrief gefun­-den: «Nicht darin besteht die Liebe, dass wir Gott geliebt ha­- ben, sondern dass er uns geliebt und seinen Sohn als Sühne für unsere Sünden gesandt hat . . . – wenn Gott uns so geliebt hat, müssen auch wir einander lieben. Gott ist die Liebe, und wer in der Liebe bleibt, bleibt in Gott, und Gott bleibt in ihm.» (1 Joh 4, 10f)Und wenn wir einander in Liebe und Respekt begegnen, dann wird auch der Friede auf dieser Welt wachsen, in dem sich Gott uns – genauso wie in der Liebe – zeigt.Paul HochPastoralassistent in Widnau

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