12.10.2018

Gemeinsam gegen Abfallberge

Helmut Hutter suchte im September Freiwillige, die mit ihm Abfall um das Dorf herum einsammeln. 18 Personen kamen – mehr als er erwartet hat. Das Projekt soll fortgeführt werden.

Von Benjamin Schmid
aktualisiert am 03.11.2022
Benjamin SchmidAn einem Freitagabend Ende September trafen sich 18 Frei­willige, um Montlingen von Abfall zu befreien. Vor allem von Büchsen, Dosen und PET-Flaschen, aber auch von Zigarettenstummeln, Nahrungsmittelverpackungen und Papiertaschen­tüchern. «Traurig, wie viel Abfall in zwei Stunden zusammenkommt», sagt Helmut Hutter. Bei der ersten von ihm initiierten und organisierten Sammelaktion füllten die Freiwilligen knapp 15 Abfallsäcke. «Alle reden von Umweltschutz», sagt er, «aber etwas dagegen unternehmen wollen die wenigsten.» Daher rief der Montlinger die Sammelaktion ins Leben. «Die Leidtragenden der Umweltverschmutzung sind wir, daher ist jeder Einzelne gefordert», sagt der 51-Jährige. Um das Problem in den Griff zu kriegen, sei keine Polizeiüberwachung nötig. «Gesunder Menschenverstand reicht aus», sagt Hutter. Als Jugendlicher habe er keinen Gedanken an Littering und dessen Folgen verloren. Das Verständnis dafür sei erst mit den Jahren gewachsen, ebenso wie das Bewusstsein für einen ökologischen und nachhaltigen Umgang mit Ressourcen und Abfällen. Viele Personen sind sich nicht bewusst, wie lange Abfälle in der Natur liegen, be­vor sie verrotten; wenn sie überhaupt abgebaut werden können. Wird beispielsweise diese Zeitung nach dem Lesen unsachgemäss auf einer Weide entsorgt, werden die Reste davon noch in einem Jahr zu sehen sein. Eine weggeworfene Bananenschale braucht beinahe zwei Jahre, um sich zu zersetzen, eine Konservendose wird erst über 100 Jahre hinweg abgebaut und Kunststoffe zerfallen in der Natur erst nach mehreren Hundert Jahren. Helmut Hutter machte über die Zeit die Erfahrung, dass mit kleinem Einsatz Grosses bewirkt werden kann. Man müsse den Umweltschutz nicht revolutionieren, sondern an die Vernunft der Menschen appellieren. «Seien wir ehrlich», sagt Hutter, «wer möchte auf einer Mülldeponie leben? Was wir zu Hause nicht achtlos wegwerfen, sollten wir auch der Natur nicht zumuten». Der Montlinger ist weder ein Kontrolleur noch möchte er andere Menschen bevormunden. Ihm reicht es, ihnen die Augen zu öffnen. Soziale Kontakte knüpfen Darüber hinaus bietet das gemeinsame Abfalleinsammeln Geselligkeit und Bewegung. «Im Gegensatz zum ‹Plogging› verbinden wir das Aufräumen nicht mit einer sportlichen Herausforderung. Wir joggen nicht, sondern wir gehen», sagt Hutter. Trotz des Luxus’ können und sollten man einen bewussten und nachhaltigen Zugang zur Natur finden. Jede zusätzliche Person, die anpackt, verringerte den Abfall und mache das Dorf lebenswerter. Einweghandschuhe, Abfallzangen und -säcke stellt das Bauamt zur Verfügung. «Wer in ungezwungener Atmosphäre neue Leute kennenlernen und gleichzeitig Gutes tun möchte, soll am Freitag, 26. Oktober, um 18 Uhr zum Werkhof Oberriet kommen», fordert Helmut Hutter auf. «Vielleicht lassen sich sogar Personen in anderen Gemeinden von der Idee inspirieren und organisieren ihrerseits eine Abfalltour».

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