15.05.2019

Ein Schiff hebt ab

Kapitän Urs Wildisen verwirklicht seinen Jugendtraum und baut sich selber ein Schiff. Gestern wurde die Schale mit zwei Kränen gewendet. Beim spektakulären Manöver hingen 15 Tonnen Stahl in der Luft.

Von Hildegard Bickel
aktualisiert am 03.11.2022
Hildegard BickelEin unfertiges Schiff auf dem Trockenen fällt auf. Umso mehr, wenn ein einmaliges Wendemanöver bevorsteht. Bei der Schiffsbaustelle gegenüber des Hallenbads Balgach, auf dem Firmenareal von Elektro Oehler, ragten gestern Morgen zwei Kräne in den Himmel. Die Arbeiten am 25AABB22Meter langen und fünf Meter breiten Schiff waren so weit fortgeschritten, dass die Schiffsschale, die bisher kieloben lag, umgedreht werden konnte.Einen Moment, den Urs Wildisen gespannt erwartete.Alles lief wie geplantVorsichtig hoben die Kräne das 15 Tonnen schwere Konstrukt mit Bändern in die Höhe. Urs Wildisen und die Helfer setzten die nötigen Handgriffe, um das Schiff zu drehen und beobachteten anschliessend, wie es sanft kielunten aufsetzte. Nach Minuten voller Konzentration und ein wenig Hektik strahlte der Bootsbauer: «Es knirschte etwas, aber das ist normal bei solch einer Belastung.» Er freut sich auf die nächsten Arbeitsschritte. «Jetzt muss ich nicht mehr umdenken, wo steuerbord und wo backbord ist.» Die vergangenen dreieinhalb Jahre arbeitete er an der umgekehrten Schiffsschale, was bei den Schweisserarbeiten von Vorteil war. Nach dem 10000 Franken teuren Manöver beginnt Urs Wildisen das Schiff aufzustocken, bevor im Herbst der Innenausbau folgt. Bis im nächsten Frühling möchte der 57-Jährige sein Schiff fertigstellen. Er ist gelernter Binnenschiffer und setzte sich zum Ziel, seinen Lebensabend auf den Flüssen und Kanälen Europas zu verbringen. Derzeit betreibt er eine Bootsfahrschule in Staad.Lässt es das Wetter zu, verbringt er jede freie Minute auf der Schiffsbaustelle. 90 Prozent der Arbeit erledigt er selber. Der Elektronik-Tüftler will nicht nur mit Diesel fahren, sondern setzt auch auf Solarantrieb. Den Namen des Schiffs verrät er nicht, das Projekt läuft aber unter dem Titel «Orion». Auf den Reisen können ihn künftig Interessierte begleiten – «ich habe zwei Gästekabinen» – , Ausbildungsschüler und die Helfer , die zum Dank für ihren Einsatz mit an Bord dürfen. Dazu gehört allen voran seine Partnerin Yvonne Egger, die fleissig Malerarbeiten übernimmt.Die Route der Jungfernfahrt steht bereits fest. Über Rhein und Donau will Urs Wildisen von Basel nach Wien schippern.

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